Wanderung im Kohlbachtal – Von vorgetäuschten Eheversprechen bis zum Pferdediebstahl

Gastbeitrag von Manuela Henkel
(Heimatverein Kohlbachtal)

Rund 70 Wanderfreunde hatten sich an diesem Wochenende trotz kühler Temperaturen zur Frühjahrswanderung des Heimatvereins Kohlbachtal in Gerstengrund eingefunden.

Wanderführer Thomas Henkel begrüßte die Teilnehmer am Dorfgemeinschaftshaus: „Es ist schön zu sehen, dass sich doch so viele Menschen auch bei frischem Wetter für unsere Heimat und ihre Geschichte begeistern“, sagte Henkel zum Auftakt.

Die etwa fünf Kilometer lange Strecke führte die Gruppe in Richtung Kuhberg, wo sich einst ein Forsthof befand. Am Ziel angekommen erhielten die Teilnehmer historische Einblicke von Heimatforscher Bruno Leister. In seinem anschaulichen Vortrag ließ Leister die Vergangenheit lebendig werden und ordnete den Forsthof historisch ein.

„Der Forsthof lag im ehemaligen Amt Fischberg, das zur Fürstabtei Fulda gehörte“, erklärte er. In unmittelbarer Nähe hätten sich zudem die Höfe Hochrain und Mückenhof befunden, die ebenfalls auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Besonders eindrücklich schilderte Leister die sehr kuriose erste urkundliche Erwähnung des Mückenhofes.

„In den Gerichtsakten vom Januar 1579 musste sich ein gewisser Christian Dietrich vom Mückenhof verantworten, weil er ein Eheversprechen nicht eingehalten hatte“, berichtete der Heimatforscher. Der junge Mann habe einer Anna-Barbara Ortheim auf dem Tänner Markt Zopfbänder geschenkt, was damals als verbindliches Zeichen galt.

„Das Verschenken von Bändern war ein Symbol – daher kommt auch heute noch die Redewendung ‚anbandeln‘“, so Leister. Der Vater der Jungfer schilderte als Zeuge, dass diese seit dem Markt von starker Unruhe befallen sei.

Der Fall endete mit einer Ermahnung und einer Geldstrafe, doch die Geschichte zeigte, wie ernst solche Gesten einst genommen wurden.

Auch die politischen Veränderungen der Region zeichnete Leister nach: „Als die Fürstabtei Fulda in Geldnot geriet, wurde das Amt Fischberg an die Grafen von Henneberg verpfändet. Später fiel es an Sachsen-Eisenach und Sachsen-Weimar-Eisenach, bevor Fulda es 1707 für 40.000 Gulden zurückkaufte.“

Eine weitere Anekdote führte die Zuhörer in das Jahr 1945. „Amerikanische Soldaten vermuteten am Mückenhof Männer des Volkssturms und rückten mit einem 20 Mann starken Kommando und Granatwerfern an“, erzählte Leister. Die Suche sei jedoch erfolglos geblieben und letztlich habe die Bäuerin mit Eiern und Speck für eine friedliche Lösung gesorgt.

Zur Geschichte des Forsthofs selbst erklärte Leister: „Der Standort war lange Zeit unklar, bis ich eine rund 300 Jahre alte Karte von der Heimatforscherin Claudia Greifzu in die Hände bekam.“

Bereits 1611 seien ein Forsthaus und ein Hof am Kuhberg erwähnt worden, wobei die Gebäude vermutlich älter seien. „In einem Haus lebte der Förster Jägerhorn mit seiner Familie, im anderen ein Hofmann als Pächter und Bauer“, so der Heimatforscher.

Der Forsthof sei einst ein Zentrum der Waldwirtschaft gewesen. Holz aus den umliegenden Wäldern war ein gefragter Rohstoff: „Bauern aus Borsch deckten hier ihren Brennholzbedarf, Büchsenmacher aus Suhl nutzten das Holz für Gewehrschäfte und sogar ein Orgelbauer aus Meiningen bezog für 200 Taler Werkholz.“

Auch für den Bergbau spielte das Holz eine wichtige Rolle. „Zwischen 1709 und 1714 wurden nach Aufgabe des Forsthauses durch das Bergwerk „Glücksbrunn“ fast 30.000 Kubikmeter Holz nach Schweina geliefert, wo es Holzkohle für die Kupferschieferverarbeitung diente“, führte der Heimatforscher aus.

Interessant sei auch die Herkunft des Namens Kohlbachtal. „Lange dachte man, er gehe auf das Köhlerhandwerk zurück, doch für diesen Beruf gibt es keine Belege in den Akten“, erklärte Leister.

Vielmehr habe der Kohleabbau am Hochrain zur ursprünglichen Bezeichnung Kohlberg geführt, aus der sich im Laufe der Zeit Kuhberg entwickelte. Und daher stamme auch der Name für den „Kohlbach“ und die damit verbundene Bezeichnung „Kohlbachtal“.

Zum Abschluss berichtete Leister noch eine kriminalistische Geschichte über den Förster Peter Jägerhorn. „Er kaufte unwissentlich zwei gestohlene Pferde, die sich der rechtmäßige Besitzer später gewaltsam zurückholte“, schilderte er.

Zudem sei Jägerhorn von Räubern überfallen und ein weiteres Pferd kurz darauf gestohlen worden. „Am Ende verlor er alle drei Pferde, damals ein enormer Schaden.“

Der Verkäufer der gestohlenen Tiere, ein Müller aus Zella, sei später gefasst und „justiziert und stranguliert“ worden.

Nach dem Vortrag ging es wieder nach Gerstengrund zum Gemeindehaus. Dort lud der Heimatverein die Wanderer zu Kaffee und Kuchen, Gegrilltem und geselligem Beisammensein ein.